Haarausfall durch Chemotherapie – Was mir wirklich geholfen hat

Es gibt diesen einen Moment, an den ich mich noch sehr genau erinnere. Ich bin mit der Hand durch meine Haare gegangen – ganz beiläufig, so wie man es tausend Mal am Tag macht, ohne darüber nachzudenken. Und plötzlich hatte ich viel mehr Haare in der Hand als sonst. Ich habe noch einmal bewusst gezogen. Eine ganze Strähne kam einfach mit raus. Da wusste ich: Jetzt geht es los.

Und ich muss ehrlich sagen – obwohl ich es theoretisch erwartet hatte, war ich in dem Moment doch geschockt. Und enttäuscht. Weil ich bis zuletzt diese leise Hoffnung in mir getragen hatte: Vielleicht passiert es mir ja nicht. Vielleicht bin ich die Ausnahme.

Wenn du diesen Text gerade liest, bist du wahrscheinlich gerade an einem ähnlichen Punkt. Oder du bereitest dich darauf vor. Oder du suchst für jemanden, den du liebst. Egal woher du kommst – ich möchte dir hier erzählen, was ich erlebt habe, was mir wirklich geholfen hat und was du wissen solltest, bevor die Haare anfangen auszufallen.


Was die Ärzte sagen – und was du wirklich erlebst

In den meisten Fällen wirst du vor der Chemo gut aufgeklärt: Bei den meisten Chemotherapien fallen die Haare aus, meistens beginnt es etwa zwei bis drei Wochen nach der ersten Infusion. Es kann nicht nur die Kopfhaare betreffen, sondern auch Augenbrauen, Wimpern und Körperhaare. Nach Ende der Therapie wachsen die Haare in der Regel wieder nach.

Das sind die Fakten. Sie stimmen. Aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte.

Was niemand dir wirklich erklären kann, ist das Gefühl, das mit dem Haarausfall kommt. Es ist nicht „nur“ der Verlust von Haaren. Es ist das Gefühl, die Kontrolle über deinen eigenen Körper zu verlieren. Es ist der Moment, in dem der Krebs für alle sichtbar wird – auch für die Verkäuferin im Supermarkt, auch für die Nachbarin, auch für dich selbst, jedes Mal, wenn du in den Spiegel schaust.

Genau deshalb ist es so wichtig, dass du dich vorbereitest. Nicht nur medizinisch, sondern auch emotional. Und dass du weißt: Du hast Möglichkeiten.


Kühlhaube bei Chemotherapie – funktioniert das wirklich?

Ein Thema, worüber heute vielmehr als damals geredet wird, ist die Kühlhaube – auch Kältekappe oder Scalp Cooling genannt. Bei mir wurde das Thema 2011 noch gar nicht angesprochen. Ich glaube, in dieser Zeit fing das in Deutschland gerade erst an, und in den Jahren danach haben mir viele Frauen erzählt, dass sie es probiert haben – aber damals oft ohne den großen Erfolg, den man sich erhofft hatte.

Heute sieht das anders aus. Die Technik hat sich weiterentwickelt, es gibt deutlich mehr Erfahrung, und es gibt mittlerweile auch einige Studien dazu.

Wie funktioniert das? Während der Chemo wird deine Kopfhaut auf etwa 19 bis 20 Grad heruntergekühlt. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, weniger von dem Chemo-Medikament gelangt an die Haarwurzeln – und die Haare bleiben dadurch teilweise oder ganz erhalten.

Wie gut wirkt es? Das hängt stark davon ab, welche Chemo du bekommst. Studien zeigen sehr unterschiedliche Ergebnisse: Bei manchen Behandlungsschemata, vor allem mit Taxanen, behalten viele Frauen so viele Haare, dass sie keine Kopfbedeckung brauchen. Bei anderen Schemata, gerade mit Anthrazyklinen, sind die Erfolgsraten deutlich niedriger. Insgesamt geht man davon aus, dass die Kühlhaube den Haarausfall in vielen Fällen reduziert – aber sie ist keine Garantie.

Was du dazu wissen solltest:

  • Es ist anstrengend. Die Kappe muss vor, während und nach der Infusion getragen werden – das verlängert deine Zeit in der Klinik um mehrere Stunden.
  • Es kann unangenehm sein. Manche Frauen bekommen Kopfschmerzen oder Kältegefühle, die schwer auszuhalten sind.
  • Nicht jede Klinik bietet es an. Frag aktiv nach – am besten schon im Aufklärungsgespräch.
  • Sprich mit deinem Arzt darüber, ob es bei deiner konkreten Therapie sinnvoll ist.

Mein Rat: Informiere dich, wäge ab – aber mach dich nicht verrückt. Die Kühlhaube ist eine Option. Sie ist nicht die einzige. Und für viele Frauen ist es am Ende stimmiger, sich auf einen anderen Weg einzulassen.


Warum ich den Rasierer selbst in die Hand genommen habe

Zurück zu dem Moment, in dem die Strähne in meiner Hand lag. Ich bin – glaube ich – jemand, der nicht gut damit umgehen kann, die Kontrolle abzugeben. Und in dem Moment habe ich für mich entschieden: Ich warte nicht, bis es passiert. Ich mache es selbst.

Ich habe direkt den Rasierer genommen und mir den Kopf rasiert. Mein damaliger Freund hat das Ganze mit der Kamera begleitet, und das Video davon gibt es bis heute auf YouTube: Mein Kopfrasieren während der Chemo.

Es war kein leichter Moment. Aber es war meiner. Und das hat einen riesigen Unterschied gemacht.

Ich erzähle dir das nicht, damit du es genauso machst. Manche Frauen warten lieber. Manche lassen es bei einer Freundin oder beim Friseur des Vertrauens machen. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Aber wenn du das Gefühl hast, dass du die Kontrolle zurück möchtest – dann darfst du sie dir nehmen.


Was mir danach wirklich geholfen hat

Das eigentlich Schwierige beginnt nicht mit dem Ausfallen der Haare. Es beginnt damit, dich danach jeden Morgen im Spiegel zu sehen – und dich nicht mehr wiederzuerkennen.

Zwei Dinge waren es, die mir in dieser Zeit am meisten geholfen haben.

1. Eine Alternative zur Perücke, die sich angefühlt hat wie ich

Eine klassische Perücke war für mich nicht das Richtige. Sie hat sich fremd angefühlt, wie eine Verkleidung. Aus diesem Gefühl heraus habe ich mir mein erstes Echthaarband gebaut – ein auf Maß angefertigtes Stirnband mit Klettverschluss und echten Haaren, kombiniert mit einem schönen Tuch oder einer Mütze.

Mein persönlicher Liebling war damals das 360-Grad-Echthaarband mit normalem Volumen, in verschiedenen Blondtönen für einen natürlichen, leicht ineinander verlaufenden Look. Genau so, wie meine eigenen Haare vorher waren. Es hat sich nicht angefühlt wie ein Ersatz – sondern wie ein Stück von mir, das wieder da war.

Wenn du neugierig bist, findest du das Band hier in unserem Shop.

2. Augenbrauen und Make-up

Als Make-up Artist habe ich vorher viel mit Augenbrauen gearbeitet, aber nie verstanden, wie sehr sie ein Gesicht tragen. Bis sie weg waren. Ohne Augenbrauen verändert sich dein ganzer Ausdruck, und dein Blick wirkt müde, auch wenn du dich gar nicht so fühlst.

Was mir geholfen hat:

  • Augenbrauen behutsam nachzeichnen – mit einem feinen Stift, in kurzen, härchenartigen Strichen. Nicht eine durchgezogene Linie. Schau dir Fotos von dir selbst an, bevor die Brauen ausgefallen sind, um deine natürliche Form zu treffen. Heutzutage gibt es so feine Stifte, mit denen du wirklich einzelne Haare nachzeichnen kannst.
  • Augenbrauenpuder für mehr Tiefe und einen weicheren Look. Das habe ich damals immer gemacht, bevor es diese feinen Augenbrauen Stifte gab.
  • Wimpernkranz von oben dezent betonen – ein dünner Lidstrich kann fehlende Wimpern optisch ein Stück ausgleichen. Nutze dabei aber eher einen Braunton, da das in der Regel etwas natürlicher wirkt.
  • Frische Farbe in den Wangen und auf den Lippen. Gerade in der Chemo wirkt die Haut oft fahl. Ein bisschen Rouge und ein Lippenstift in deiner Lieblingsfarbe machen mehr aus, als du denkst.

Wenn du gerade an dem Punkt stehst

Vielleicht hast du noch keinen Haarausfall. Vielleicht hat es gerade angefangen. Vielleicht bist du mittendrin und suchst nach etwas, das sich nicht falsch anfühlt.

Was auch immer dein Punkt gerade ist: Du musst da nicht alleine durch. Stefanie und ich sind da, wenn du Fragen hast, wenn du dir unsicher bist, was zu dir passt. Du erreichst uns direkt über die Seite, per E-Mail oder Telefon.

Und vergiss bitte eines nicht: Du bist nicht deine Haare. Du bist nicht dein Krebs. Du bist die Frau, die da gerade einen unfassbar tapferen Weg geht und du darfst dich auf diesem Weg jeden Tag im Spiegel wiedererkennen. Weil du schön bist.

Deine Julia

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Julia ist Gründerin von Weil Du schön bist
 
 

Stefanie führt das Geschäft

Bei Fragen zu unseren Echthaarbändern, für eine telefonische Beratung oder Bestellung könnt ihr uns unter 0157 374 98 664 oder per Mail info@weilduschoenbist.de erreichen.