Echthaarband bei Chemotherapie – der Moment, in dem ich mich wiedererkannte

Als bei mir der Haarausfall durch die Chemotherapie begann und ich merkte, dass eine Perücke nicht die Lösung sein würde, mit der ich mich wirklich wohlfühle, war ich nicht einfach nur auf der Suche nach einer Alternative. Ich habe sie mir selbst kreiert. Daraus entstand das Echthaarband und etwas, das ich heute den Echthaarband-Effekt nenne.

Haarausfall in der Chemotherapie – mehr als nur ein äußerlicher Verlust

Der Moment, in dem die Haare ausfallen, ist für viele Frauen einer der einschneidendsten Punkte während der Chemotherapie. Und ich glaube, von außen unterschätzt man leicht, was da eigentlich passiert. Es geht nicht um Eitelkeit. Es geht nicht mal in erster Linie ums Aussehen. Es geht darum, dass du morgens ins Bad gehst, in den Spiegel schaust – und die Person, die dir entgegenblickt, sich nicht mehr anfühlt wie du.

Deine Augenbrauen werden dünner. Deine Wimpern gehen. Und dann die Haare. Stück für Stück verschwindet etwas, das du nie bewusst als Teil deiner Identität wahrgenommen hast, bis es weg ist.

Ich habe relativ schnell gemerkt, dass eine klassische Perücke für mich nicht der richtige Weg ist. Sie hat sich fremd angefühlt. Wie eine Verkleidung. Nicht wie ich. Und genau aus diesem Gefühl heraus ist das Echthaarband entstanden. Nicht als Geschäftsidee. Nicht als Produkt. Sondern als Antwort auf ein ganz konkretes Bedürfnis: Ich wollte mich im Spiegel wiedererkennen.

Der Moment, in dem ich mich wiedererkannte

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mein fertiges Echthaarband zum ersten Mal aufgesetzt habe. Ich stand vor dem Spiegel, habe mich angeschaut und dann war da dieser Moment. Ganz still. Kein großes Drama, kein Feuerwerk. Einfach nur: Da bin ich ja.

Nicht die Patientin. Nicht die Frau mit Krebs. Sondern ich.

Und bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, habe ich gelächelt. Nicht weil ich mir das vorgenommen hatte. Sondern weil mein Gesicht schneller reagiert hat als mein Kopf.

Genau das ist der Echthaarband-Effekt: Dieser kurze, ehrliche Moment, in dem du dich im Spiegel anschaust, dich wiedererkennst und dein Körper antwortet, bevor dein Verstand irgendetwas einordnen kann.

Wenn andere es nicht erkennen

Was mich in dieser Zeit immer wieder überrascht hat, waren die Reaktionen von anderen. Nicht die großen, sondern die beiläufigen. Während einer meiner Chemotherapien saß ich bereits an der Infusion, als eine Arzthelferin zu mir kam, mich ansah und fragte: „Sind Ihnen denn noch nicht die Haare ausgefallen?”

Eine Frau, die täglich Patientinnen sieht. Die genau weiß, worauf sie achten muss. Und sie hat es nicht erkannt.

Ein anderes Mal war ich bei einem Shooting als Make-up Artist. Die Fotografin schaute mich an und meinte ganz selbstverständlich: „Das sind aber noch deine eigenen Haare, oder?” Als ich ihr gesagt habe, dass es ein Echthaarband ist, war sie ehrlich überrascht.

Diese Momente waren für mich keine Komplimente im klassischen Sinne. Sie haben mir etwas bestätigt, das ich bis dahin nur gefühlt hatte: Dass es einen echten Unterschied macht, ob etwas „eine Lösung” ist oder ob es sich anfühlt wie du selbst.

Der Echthaarband-Effekt bei anderen Frauen

In meinem Laden in Hamburg habe ich mehrmals das angeboten, was ich „Weil du schön bist”-Tag nannte: ich habe Frauen angeboten, sie während der Chemo zu schminken und ihnen ein Echthaarband aufzusetzen.

Wir haben uns erstmal kennengelernt, geredet. Ein schöner, entspannter Nachmittag.

Schon während des Schminkens hat sich etwas verändert. Aber als dann das Echthaarband aufgesetzt wurde, war die Transformation komplett. Und dann kam dieses Lächeln. Nicht für mich, nicht für die Kamera. Sondern weil sie sich selbst wieder gesehen hat.

Wenn du dir das Video anschaust, siehst du es. Du siehst es in ihrem Gesicht. Und du siehst es auch in meinem.

Warum das mehr ist als nur eine Alternative zur Perücke

Ja, ein Echthaarband ist eine Alternative zur Perücke. Aber das ist nur die technische Beschreibung. Der eigentliche Unterschied liegt woanders.

Wenn du dich morgens im Spiegel wiedererkennst, gehst du anders durch den Tag. Du trägst dich aufrechter. Du bist klarer. Ruhiger. Es entsteht wieder eine Verbindung zu dir selbst und die war vielleicht in den letzten Wochen oder Monaten ein Stück verloren gegangen.

In einer Phase wie der Chemotherapie, in der so vieles außerhalb deiner Kontrolle liegt, ist das kein Luxus. Es ist etwas, das dich innerlich stabilisieren kann. Ein kleiner Anker.

Wenn du dich gerade in dieser Situation befindest

Wenn du gerade am Anfang deiner Chemotherapie stehst oder bereits Haarausfall erlebst und merkst, dass sich die bisherigen Lösungen nicht richtig anfühlen dann melde dich gerne bei uns. Stefanie und ich nehmen uns Zeit für dich und schauen gemeinsam, was sich für dich stimmig anfühlt.

Du erreichst uns direkt über die Seite, per E-Mail oder Telefon.

Wir würden uns von Herzen freuen, dich ein Stück auf diesem Weg begleiten zu dürfen.

Deine Julia

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